Warum wir uns entwickeln

Warum studierst du? Warum beschäftigst du dich mit so vielen Dingen? Werde ich manchmal gefragt. Das zu beantworten ist nicht immer einfach. Nicht weil ich es nicht erklären kann. Eher weil viele es nicht verstehen und es nicht nachvollziehen können.
Ich habe es verstanden, dass Persönlichkeitsentwicklung ein Durchlaufen verschiedener Stufen ist. Wenn wir das auf unsere Arbeit transferieren, ergibt sich die erste Stufe. Dies ist schlicht und einfach wegen des Überlebens. Menschen in armen Ländern werden das als Antwort parat haben. Bei uns sieht es zwar auf den ersten Blick anders aus, doch nur weil wir keine Angst haben brauchen, dass morgen nichts zu essen da ist, weil unser Sicherheitssystem das unterbindet, sind die Beweggründe nicht unbedingt anders. Die Existenzsicherung konzentriert sich auf den Bereich des Konsums und der Luxusgüter. Wir überleben hier mit einem gewissen Komfort. Wir streben nach einem Sicherheitsgefühl.
In der zweiten Stufe wollen wir eigentlich das Sicherheitsgefühl wieder abschaffen. Angstlust überkommt uns und das Bedürfnis nach dem Gefühl endlich zu leben. Menschen mit einem sicheren Job haben oft die aufregendsten Hobbys. Nichts ist langweiliger, als das sichere Leben. Also gehen wir viel Risiko in einigen Bereichen ein. Vorausgesetzt die erste Stufe bleibt erhalten.
In der dritten Stufe hat sich ein Gleichgewicht der ersten beiden Stufen eingestellt und wir beginnen nach anderen Dingen zu streben. Wir wollen durch unsere Arbeit Aufmerksamkeit erlangen. Es sind Statussymbole, die es am besten nach Außen transportieren. Ob Titel, besondere Berufsbezeichnungen, Geschäftsbeziehungen oder auch nur ein Firmenwagen, alles ist ein Hilfsmittel für das Selbstwertgefühl.
Das macht uns aber nicht wirklich glücklich, weil wir auf den ersten drei Stufen im ständigen Vergleichen und vorallem in Angst leben. Denn das Vergleichen ist der Untergang des Glücks.In der vierten Stufe durchlaufen wir eine Transformation.
Im Buddhismus ist das die Umwandlung von Leid in Glück. Unser Antrieb ist nicht mehr die Angst sondern die Liebe.
Es ist entweder der Leidensdruck der inneren Unzufriedenheit oder die Leidenschaft für etwas, wofür wir uns begeistern können.
Menschen, die es verstanden haben, dass es mehr als nur die ersten drei Stufen gibt, begeben sich auf den Weg der Selbstverwirklichung, Selbstvollkommnung, und Selbstfindung. Die Motivation ist hier intrinsisch, denn es geht um das innere Wachsen.
Wir beginnen angstfrei Entscheidungen zu treffen und die Verantwortung für alles zu übernehmen. Wir glauben an uns und unser Handeln und akzeptieren, sowohl die positiven, als auch die negativen Auswirkungen und wissen mit ihnen umzugehen und das beste daraus zu machen. Wir betrachten die Arbeit als ein Teil unseres Lebens.
Angelangt auf dem Höhepunkt des Wachstums, auf der fünften Stufe, ist das Verständnis von „Geben ist besser als Nehmen“ viel ausgeprägter. Wir wissen, dass durch mehr geben wir auch mehr bekommen. Alles was wir bis hierher gelernt haben, können wir den Menschen weiter geben. Unsere Ruhe, Gelassenheit, aber auch Wissen und Unterstützung. Wir arbeiten jetzt um einen Beitrag zu einer Welt zu leisten, in der wir leben möchten.
In der sechsten Stufe haben wir uns selbst verwirklicht. Wir finden unsere Berufung. Nicht mehr „haben“ und „tun“ ist nun wichtig, sondern „sein“. Unser Leben erhält eine Bestimmung.
Die ersten drei Stufen des Egos müssen von allen beschritten werden, danach ist für jeden ein eigener Weg der Entwicklung vorgesehen.

R.S.



Schreib einen Kommentar

Ihre E-Mailadresse wird nicht öffentlich angezeigt. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wenn im Kommentar ein Link vorhanden ist, muss der Kommentar von mir freigeschaltet werden. Dies kann manchmal etwas dauern. Sie erhalten eine E-Mail wenn der Kommentar freigeschaltet wurde.

Ihre E-Mailadresse wird wegen der Avatar-Integration mit gravatar.com abgeglichen. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte meiner Datenschutzerklärung.